Lesungen und Vorträge

Birnbaum-Konferenz zum 20. Jubiläum der SBG 26. + 27.9.2015

Die Salomo-Birnbaum-Gesellschaft für Jiddisch e.V. beging am 26.+27. September 2015 ihr 20-jähriges Jubiläum mit einer Konferenz mit dem Titel:
"Jiddisch und Judentum — Salomo Birnbaums Sprachideologie"

Salomo Ascher Birnbaum war der erste Lektor für Jiddisch an einer deutschen Universität,1922-1933 in Hamburg. Nach dem er mit seinem zweiten Versuch, sich zu habilitieren, auch an einem deutlich antisemitisch motivierten Veto gescheitert war, verließ er direkt nach der Machtergreifung Deutschland und zog nach England, wo er nach einer kurzen Unterbrechung seine Arbeiten als Linguist und Paläograph fortsetzen konnte. Auf beiden Feldern gilt Birnbaum bis heute als Koryphäe.

Nach 45 gab es gegenüber Birnbaum keinerlei offizielle Reaktion von Hamburger Seite. Die Bemühungen einiger Hamburger Germanisten um Walter Röll, in Hamburg einen Lehrstuhl für Jiddistik zu etablieren blieben erfolglos. Röll ging 1970 als Professor für ältere deutsche Philologie an die Universität Trier, wo inzwischen ein Lehrstuhl für Jiddistik geschaffen worden ist. Erst 1971 gewann der Präsident der Universität es über sich, Birnbaum Glückwünsche zum 80sten Geburtstag zu senden. Ende der 60er Jahre berief ihn das IGDJ als Ehrenmitglied in seinen Beirat und benannte 1993 seine jiddische Bibliothek nach ihm.

1995 gründete sich in Hamburg die Salomo-Birnbaum-Gesellschaft für Jiddisch e.V.

Wie Birnbaum schon zu Beginn seiner Tätigkeit in Hamburg konstatierte, war: „die jüdische Bevölkerung in Hamburg gering an Zahl und so konnte nur mit verschwindend wenig Hörern gerechnet werden...“ Daran hat sich bis heute nichts geändert. Dass die Salomo-Birnbaum-Gesellschaft dennoch seit 20 Jahren existiert, ist eine gelebte Utopie. Sie ermöglicht mit ihren Programmen die Beschäftigung mit der bedrohten jiddischen Sprache, ihrer Literatur und Kultur sowohl auf Jiddisch als auch auf Deutsch.

Schon zu seinen Zeiten war Birnbaum bekannt und geachtet als Paläograph und als Philologe und er ist es heute noch. Seine sprachideologischen und sprachpolitischen Ansichten, seine „Weltanschauung“ aber wurden zwar von einigen Wissenschaftlern aus dem angelsächsischen Raum erforscht und in kürzeren Texten erläutert, blieben aber hierzulande weitgehend unbekannt. So entstand das Konzept für diese Konferenz, zu der einige namhafte Referenten kamen.

Programm der Birnbaum-Konferenz

Dr. Sophie Fetthauer: Jiddisches Theater und jiddische Liederbücher im DP-Lager Bergen-Belsen

25. Januar 2015 16:00

Jüdisches Kulturhaus, Flora-Neumann-Straße 1, U-Bahn Messehallen

Während der Zeit ihrer Existenz waren die DP-Lager in Deutschland, vor allem wegen der Fluchtbewegungen aus Polen, bedeutende Zentren jiddischer Sprache und Kultur. Insbesondere zwei in Bergen Belsen erschienene Liederbücher, Sami Feders Zamlung fun katset und Geto lider und Reuben Lipschitz’ Lebedik amkho …, die im Zusammenhang mit der Arbeit zweier Theatergruppen, des Katset-Teaters und der Yidishe Arbeter-Bine entstanden, geben in diesem Referat Einblick in das Repertoire, das die DPs in dieser Zeit beschäftigte.Musik und Theater stießen beim Publikum meist auf großes Interesse, führten aber auch zu kontroversen Diskussionen und harscher Kritik in der Presse, so dass durch die Rekonstruktion des Musik- und Theaterlebens nicht nur der hohe Stellenwert des Kulturlebens in der Phase zwischen Verfolgung und Emigration, sondern auch die Probleme und unterschiedlichen Interessenlagen der DPs deutlich werden.

Sophie Fetthauer promovierte 2002 über "Musikverlage im ‚Dritten Reich' und im Exil" und ist seit 2003 mit Unterbrechungen wissenschaftliche Mitarbeiterin für das Projekt Online-Lexikon exilierter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Hamburg.

 

Susanne Küther: Salomo Birnbaum zu Ehren. Eine jiddische Spezialbibliothek in Hamburg

30. November 2014 16:00 Uhr, Jüdisches Kulturhaus, Flora Neumannstraße 1

In den 1980er Jahren legte Günter Marwedel, damaliger Mitarbeiter am Institut für die Geschichte der deutschen Juden, den Grundstein zur Salomo-Birnbaum-Bibliothek. Durch Drittmittel finanziert und um Nachlässe bereichert, wuchs die Sammlung jiddischer Bücher in den 1990er Jahren beträchtlich und umfasst heute ca. 1.500 Werke.

Susanne Küther, Bibliothekarin am Institut für die Geschichte der deutschen Juden, hat sich der Sammlung jiddischer Werke angenommen, sie konsequent fortgeführt und ist verantwortlich für deren 2012 begonnene Katalogisierung. In ihrem Vortrag berichtet Frau Küther über ihre Forschungen zur Entstehungsgeschichte der Salomo-Birnbaum-Bibliothek und ihre Arbeitsergebnisse.

 

Dr. Hans-Walter Stork: Salomo Birnbaum als Benutzer der hebräischen Handschriften in der Stadtbibliothek 1922-1933

28. September 2014, 16:00, Jüdisches Kulturhaus, Flora-Neumann-Straße 1

Salomo Birnbaum hat von 1922 bis zu seiner Flucht ins Exil sämtliche hebräischen Handschriften der damaligen Stadtbibliothek genutzt. Was kann an Hand dieses Nutzerprofils über den Wissenschaftler und Sprachforscher geschlussfolgert werden?
Dieser Frage widmet sich Dr. Hans-Walter Stork, seit 2005 Handschriftenbibliothekar an der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg

Prof. Avrohom Lichtenbaum: Die IWO Bibliothek in Buenos Aires

17. August 2014 14:00-18:00, Jüdisches Kulturhaus

Das YIVO war von Anfang an als überregionale Einrichtung geplant. Fast gleichzeitig mit dem Hauptsitz wurden zahlreiche Nebenstellen eingerichtet, so auch 1928 in Buenos Aires, wo es IWO heisst. 1939 wurde es mit einer Bibliothek und einem Museum ergänzt. 1994 zerstörte ein Attentat das Gebäude des IWO und gefährdete die Bestände von Bibliothek und Archiv. Mit Hilfe vieler Freiwilliger konnte der größere Teil, des beschädigten Materials gerettet werden. Heute besitzt das IWO in Buenos Aires 60.000 Bände und Dokumente über die Geschichte der Juden in Osteuropa, die Einwanderung nach Argentinien, die Shoah, jüdische Literatur, jüdische Sprachen, jüdische Religion und jüdisches Denken u.v.a.

Prof. Avrohom Lichtenbaum, ist langjähriger Mitarbeiter und Direktor des IWO in Buenos Aires.

Prof. Isidor Levin: Die Bibliothek eines jüdischen Ethnografen

Am Sonntag 29.6.2014 um 16:00
Homannstraße 5, 21075 Hamburg
 

Isidor Levin ist ein bedeutender Volkskundler der früheren UDSSR und Emeritus der Universitäten von Eriwan, St. Petersburg und Duschanbe. Er studierte russisch und russische Literatur, Judaistik, Semitistik, Religionsgeschichte und Folkloristik. Von 1966 bis 1984 arbeitete er an dem Projekt eines Folklore-Archivs in Tadschikistan. Er lebt heute in Hamburg. 

Dr. Itzik Gottesman "Yidishe folkslid-oytsres in bibliotekn un arkhivn"

18. Mai 2014 14:00 Seminar:
Yidishes Kulturhoyz, Flora-Neumann-Gas 1, 20357 Hamburg
 

Dr. Gottesman kumt fun New York. Der Seminar handlt zikh deriker vegn di klang-arkhivn/folkslid-oytsres in arkhivn un bibliotekn iber der velt un spetsyel vegn di folkslid-rekordirungen-arkhivn say in YIVO New York say in Kiev un Peterburg; der iker, Ruth Rubin's un Ben Stonehill's arkhivn in YIVO, un di alte rekordirungen in Vernadsky bibliotek in Kiev un Magid arkhiv in Peterburg. 

 Itzik Gottesman hot a Ph.D. in Folklore un Folkslebn fun der universitet Pennsylvania.
Fun 2000 - 2013 iz er geven der redaktsye-sekretar fun Forverts, NYC.
In September 2014 vet er oyfnemen zayn naye tetigkayt vi a Senior Lecturer fun Yidisher shprakh un kultur in der Universitet of Texas in Austin.
Er arbet shtendik vi a lerer far Yidish in di farsheydene Yidishe pasirungen oyf der gorer velt.
Itzik Gottesman hot farenftblekht a bukh, a sakh artiklen un eseyen vegn Yidisher folklore un farsheydene andere temes.
Er iz der direktor funem „Ansky Jewish Folklore Research Project“ inem tsenter far tradityonele muzik un tants, NY, dortn git er oykh aroys dem vikhtikn blog „Yiddish Song of the Week“. http://yiddishsong.wordpress.com
Fun 1981-1986 hot er gearbet vi an arkhivar in New Yorker YIVO.

Akvilė Grigoravičiūtė: Di Vilner yidishe bibliotekn

Sonntag, den 30. März 2014,  16:00 Uhr 
Alberto-Jonas-Haus, Karolinenstraße 35 
gegenüber U-Bahn Messehallen

 

Oyf vos far an oyfn hot di yidishe bikher-kultur zikh antviklt in eynem fun di vikhtikste yidishe kulturele tsenters – in Vilne? Vos iz geven der veg fun di ershte private bikher-kolektsyes biz tsu di groyse gezelshaftlekhe bibliotekn? Un vos iz geven der goyrl fun vilner yidishe bibliotekn beshas di khurbm-yorn un nokh der milkhome?

Akvilė Grigoravičiūtė hat Politikwissenschaft und Germanistik studiertund 2009 den Magistertitel an der Sorbonne erworben mit einer Arbeit über Yiddish Literature in Independent Lithuania (1918-1940): History and Problematics. 

Sie ist derzeit Doktorandin an der Sorbonne mit dem Thema Yiddish Culture in the Baltic States bei Prof. Delphine Bechtel. Akvilė Grigoravičiūtė lehrte bereits selbst Jiddisch an der Medem-Bibliothek in Paris. Zeitweise war sie in der litauischen Nationalbibliothek beschäftigt, wohin einige über den 2. Weltkrieg gerettete bzw. restituierte Teile von Wilner Bibliotheken später kamen.

Dr. Natalya Krynicka: Jiddisch, Französisch, Bundistisch — die Medem-Bibliothek in Paris

Sonntag, den 23. Februar 2014,  16:00 Uhr 
Jüdisches Kulturhaus, Flora Neumann Strasse 1

Wie konnte sich eine kleine gesellschaftliche Organisation zur repräsentativsten Sammlung jiddischer Bücher in Europa wandeln? Wie konnte eine jiddische Bibliothek in Frankreich den II. Weltkrieg überstehen? Wieso arbeitet die Medem-Bibliothek heute noch, während andere jüdische Bibliotheken in Frankreich aufgehört haben zu existieren? Wie baut man ein lebendiges Kulturzentrum rund um eine Sprache, die schon vor 50 Jahren für tot erklärt wurde?

Natalya Krynicka ist Bibliothekarin an der Medem-Bibliothek, Forscherin und Übersetzerin.

Zum 100. Geburtsjahr von Yekhiel Shraybman

Ernst Harald Dähnhardt liest aus dem 2012 im be.bra Verlag erschienen Novellenband: 

„Ein Denkmal für Itzik Rachmiels“
am 3. November 2013, 16:00 Uhr 
im JÜDISCHEN KULTURHAUS
 
Yechiel Shraybman wurde1913 als ältestes von 10 Kindern im Shtetl  Vad Raschkew am Dnjestr im damals zum zaristischen Russland gehörenden Bessarabien geboren, das ab 1918 rumänisch wurde. Nach Cheder und Grundschule kam er noch als Kind in eine Lehre als Uhrmacher, arbeitete kurze Zeit als Dorflehrer für jüdische Kinder und besuchte von 1930 – 1932 das jüdische Lehrerseminar in dem damals zu Rumänien gehörenden Czernowitz. Dort schloss er sich der revolutionären kommunistischen Untergrundbewegung an, wurde verhaftet, des Seminars verwiesen und wich nach seiner Freilassung nach Bukarest aus. 1936 veröffentlichte er erstmals eine Novelle und eine literarische Miniatur in dem in New York erscheinenden Literaturjournal „Signal“ und 1939 Erzählungen und Essays in Bukarest. Von seiner Bukarester Zeit handelt sein Roman „Zibn yor mit zibn khadoshim“, der ebenfalls in deutscher Übersetzung von Ernst Harald Dähnhardt  2009 bei be.bra erschienen ist.
 
Nachdem Bessarabien 1940 an die Sowjetunion fiel, zog Shraybman mit seiner Familie nach Kischinew, wo er  Mitglied des Schriftstellerverbandes der Sowjetunion wurde. Vor den im selben Jahr einmarschierenden Deutschen floh er nach Usbekistan und kehrte erst 1946 zurück.
 
Während des Krieges setzte die Sowjetunion die zuvor zunehmende Verfolgung jüdischen Lebens aus, nahm sie aber bald danach wieder auf. In der Zeit erneuter Unterdrückung wurde Shraybman aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossen und verstummte. Erst nach Stalins Tod veröffentlichte er wieder in der neuen jiddischsprachigen Literaturzeitschrift  „Sovetish heymland“.
 

Er starb 2005. Zu seinem Nachlass gehört eine umfangreiche Sammlung „Literarischer Miniaturen“, wie er selbst sie nannte. Dieser Schatz muss für deutsche Leser neben einigen Romanen und Erzählungen noch gehoben werden.

Ernst Harald Dähnhardt legt mit dem Band „EinDenkmal für Itzik Rachmiels“ sein zweites Übersetzungswerk mit Texten von Shraybman vor. Einige Textpassagen werden auch im jiddischen Original gelesen.

für weitere Information s.a. http://www.yivoencyclopedia.org/article.aspx/Shraybman_Yekhiel

Jiddisch in DP-Lagern

Dr. Tamar Lewinsky, Universität Basel
Unterbrochenes Gedicht. Jiddische Literatur in Deutschland 1944-1950 
(Vortrag auf Deutsch mit jiddischen Textbeispielen)
29. SEPTEMBER 2013, 16:00 Uhr 
im JÜDISCHEN KULTURHAUS

Nach 1945 lebten noch ca. 200.000 Juden als Displaced Persons in Lagern. Für einige Zeit wurden etliche dieser DP-Lager zu kurzlebigen ostjiddischen Sprachinseln in Mitteleuropa. 

Tamar Lewinsky promovierte 2007 zum Thema „Displaced Poets. Jiddische Schriftsteller im Nachkriegsdeutschland, 1945-1951“. An der Abteilung für Jüdische Geschichte und Kultur der Universität München war sie von 2002-2009 Dozentin für Jiddisch und von 2007-2009 Koordinatorin des Forschungsprojektes „Geschichte der Juden in Deutschland seit 1945“. 2010 wechselte sie als wissenschaftliche Assistentin ans Institut für Jüdische Studien der Universität Basel. 

In ihrem Vortrag stellt Tamar Lewinsky ein weitgehend vergessenes Kapitel der Holocaustliteratur vor: Die jiddische Literatur der jüdischen Displaced Persons im besetzten Nachkriegsdeutschland. Die in den ersten Nachkriegsjahren entstandenen Gedichte und Prosastücke zählen zu den frühesten Versuchen jüdischer Überlebender, sich der erlittenen Katastrophe literarisch zu nähern. Darüber hinaus zeugen die Texte von der unmittelbaren und schmerzlichen Begegnung zwischen Tätern und Opfern in der Nachkriegszeit. 

Sonntag 1. SEPTEMBER 2013, 14:00 Uhr
Lea Szlanger (Israel),
DZIGAN UND SCHUMACHER IN YISROEL
Vortrag in jiddischer Sprache
im JÜDISCHEN KULTURHAUS
Lea Szlanger wanderte nach kurzem Engagement am jiddischem Staatstheater in Warschau unter Leitung von Ida Kaminski in den 1950er Jahren nach Israel ein und lebt seitdem dort. Sie ist jiddische Sängerin, Schauspielerin und Radio-Journalistin (für Kol-Israel).
Die Kabarettisten Shimen Dzigan (1905-1980) und Isroel Shumacher (1906-1961) hat sie persönlich gekannt und ist mit ihnen zusammen aufgetreten. Dzigan und Shumacher wanderten 1950 nach Israel ein. Obwohl genug interessiertes Publikum vorhanden war, hatten sie dort mit Schwierigkeiten zu kämpfen, mit einem jiddischen Programm überhaupt auftreten zu können. Von 1951-52 arbeiteten sie in Buenos Aires. 1958 konnten sie schließlich ein eigenes Theater in Tel Aviv gründen.
 
 

Mittwoch, 22.5.2013, 19:00 Uhr:
Prof. Gennady Estraikh  (New York University): Di literarishe un ideologishe program fun Sovetish Heymland (Vortrag auf Jiddisch)

Veranstaltungsort: Gedenk- und Bildungsstätte Israelitische Töchterschule

Gennady Estraikh wurde 1952 in Zaporozhe in der Ukraine geboren und lebte von 1976-1991 in Moskau. Ab 1979 verstand er sich als Regimegegner. Während der Perestroika wurde er Herausgeber von Sovetish Heymland von 1988-1991. 1989/90 veröffentlichte er 2 Auflagen von Kurtser yidish - rusisher verterbukh.1991 übersiedelte Estraikh nach Oxford. Von 1995-2002 arbeitete er am Oxford Institute for Yiddish Studies und gab dessen Journal Di pen heraus. Er hielt ebenfalls Vorlesungen an der London School of Oriental and African Studies.

Seit 2003 ist Gennady Estraikh Professor für jiddische Studien in an der New York University. Er hat etliche Monografien veröffentlicht und Sammelbände [mit-] herausgegeben.

Sovetish Heymland, die erste nach den schweren Verfolgungen unter Stalin in der „Tauwetterperiode“ monatlich in Moskau erscheinende, jiddische Zeitung, existierte von 1961 bis 1991. Mit ihrem Namen knüpfte sie an die Tradition der vor der stalinistischen Repression erscheinenden jiddischen Zeitschriften Sovetish (1934-1941) und Heymland (1947-48) an. Sie kam zunächst in einer Auflage von nirgend sonst erreichten 25.000 heraus, die aber schon ab 1966 beträchtlich absank bis auf 5.000 im Jahre 1985.

Vielen zeitgenössischen Autoren und Kritikern, bot Sovetish Heymland die Möglichkeit zu schreiben und gelesen zu werden und einen zum Teil bis heute dauernden Ruf in der jiddischen literarischen Welt zu begründen.

Gennady Estraikh wird die literarische und politische Ausrichtung und die Geschichte von Sovetish Heymland eingehend beleuchten: welche Ziele innerhalb und außerhalb der UDSSR man bei seiner Gründung anvisierte; welche Funktion es während der Periode des kalten Krieges ausübte; welche Standpunkte Chefredakteur Aron Vergelis bezüglich literarischer und politischer Inhalte vertrat, was der literarische Schwerpunkt der Zeitschrift war und wie sie sich während der Perestroika veränderte.

Zu dem Thema des Votrages lohnt sich Estraikhs Artikel im FORVERTs (auf Jiddisch), erschienen 2011. 

In diesem Artikel empfielt Gennady Estraikh folgende Texte zum Thema:

  • Gennady Estraikh, “Jewish Street or Jewish Cul-de-sac? From Sovetish Heymland to Di Yidishe Gas,” East European Jewish Affairs 26.1 (1996): 25–33;
  • Gennady Estraikh, “The Shtetl Theme in Sovetish Heymland,” in The Shtetl: Image and Reality, ed. Gennady Estraikh and Mikhail Krutikov, pp.152–168 (Oxford, 2000);
  • Gennady Estraikh, “The Portrayal of Palestinian Arabs in the Moscow Yiddish Monthly Sovetish Heymland,” in Jews, Muslims and Mass Media: Mediating the “Other,” ed. Tudor Parfitt and Yulia Egorova, pp.133–143 (London and New York, 2004);
  • Chone Shmeruk, “Twenty-five Years of Sovetish Heymland: Impressions and Criticism,” in Jewish Culture and Identity in the Soviet Union, ed. Yaacov Ro’i and Avi Beker, pp.191–207 (New York, 1991).

Ein provokativer (wenn auch weniger informativer) Kommentar von Yuri Vedenyapin findet sich hier

Sonntag, 7.4.2013, 15 Uhr
Lea Schäfer (Marburg): Von Schlegels Shylock zu Wolkenbruchs Schickse

Analysen zu Imitationen des Jiddischen in der deutschsprachigen Literatur.

Der Vortrag wird erste Analyseergebnisse des Promotionsprojekts von Lea Schäfer vorstellen: wie die Imitation des Jiddischen in der deutschen Literatur — auch Literaturjiddisch genannt" — funktioniert, d.h. welche sprachlichen Ebenen manipuliert werden, um den Effekt des Jiddelns zu erzielen. Dabei soll auch das Verhältnis der so entstehenden Kunstsprachen zur Sprachrealität beleuchtet werden. Exemplarisch werden Schlegels Übersetzung des Kaufmanns von Venedig (1797), Gustav Freytags Roman Soll und Haben (1855) und dagegen Texte der Nachkriegsliteratur bis hin zu Thomas Meyers Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse (2012) vorgestellt.

Im Mittelpunkt der Betrachtung steht das Verhältnis von Nationalsprache und Sprachpurismus zu Sprachen des kulturellen Randes, in diesem Falle Jiddisch. War nach 1945 erst einmal die Tradition, jüdische Figuren sprachlich zu markieren, unterbrochen, kommt in den letzten Jahrzehnt(en) langsam wieder etwas Ähnliches auf, jedoch unter dem Aspekt des Funktionswandels und damit — aus linguistischer Sicht besonders interessant — auch eines Formwandels.

In jüngster Zeit erleben wir wieder eine Aufwertung der Dialekte bzw. Regiolekte und damit einher geht auch eine Aufwertung des Jiddischen. So gesehen funktioniert das Literaturjiddisch des 19. Jahrhunderts ganz anders, als dasjenige aktueller Texte.

 

Sonntag, den 3.3.2013. Carsten Hueck: Jiddisch heute. Boom einer sterbenden Sprache?

Carsten Hueck, Verfasser eines Radiofeatures zum Thema, geht dem aktuellen Trend nach und untersucht, was den anhaltenden Zauber des Jiddischen ausmacht und ob es als Teil des europäischen Kulturerbes neu belebt werden kann.

Sonntag, 22. August 2010, 13:00 bis 17:00 Uhr
Juden und Jiddisch in Argentinien,
Seminar (jiddisch) mit Prof. Avrom Lichtenbaum aus Buenos Aires

Stichpunkte zu den Themen
  • Geyrush shpanie, inkvizitsye un anusim. Ershte aynvoyners in Argentine.
  • 19ter yorhundert un masn-emigratsye. Oremkayt, hunger un pogromen.
  • Leyzungen far ot di problemen.
  • Filantropizm. Der Baron Hirsch un Argentina. Jewish Colonization Association (JCA)
  • Ershte imigrantn kayn Argentine. Mordkhe Alperson, Sholem Aleikhem un Perets un Argentine.
  • Ershte tsaytungen un ershte yidishe shraybers.
  • Tameyim. Yidish teater.
  • Di inmigrantn fun tsvishn beyde velt-milkhomes.
  • Dos feld un di groyse shtot.
  • Protses fun urbanizatsye.
  • Dos organizirte yidishe lebn. Fun a Khevre Kedishe tsu a Buenos Ayreser Kehile.
  • Kheyder, talmud toyre, yidishe shul, integrale shuln.
  • Lerer seminar.
  • Yidishe farlagn.
  • Yidish haynt
Men vet leyenen shafungen fun Moyshe Pinchevsky, Avrohom Moshkovich, Shmuel Glazerman,Kehos Kliger, M.D. Giser un andere.

Avrohom Likhtenboym (Abraham Lichtenbaum): Bakumen zayn dertsiung in Buenos Ayres un Isroel vi a dertsier un yidish lerer. Hayntiker direktor fun Buenos Ayreser YIVO (fun 1994 on). Lerer (geven direktor bemeshekh 25 yor fun der grester yidisher mitlshul in Buenos Ayres. Geven lerer in der hoykh-shul oystsubildn freblistn un lerers far der onkeyb- un mitlshul.

Veranstaltungsort: Gedenk- und Bildungsstätte Israelitische Töchterschule

Sonntag, 13. Juni 2010, 16:00
Originaltext und Übersetzung mit E.-H. Dähnhardt

Ein Treffen mit unserem Mitglied, Herrn E.-H. Dähnhardt, der uns kurz Y. Schraibmans Leben und Werk in Erinnerung rufen wird, hauptsächlich jedoch über seine Übersetzungsarbeit von Shraibmans Roman „Zibn yor mit zibn khadoshim” erzählt (deutsch).

Veranstaltungsort: Gedenk- und Bildungsstätte Israelitische Töchterschule, Dr. Alberto-Jonas-Haus, Karolinenstr. 35

Samstag 12.12.2009
„Antisemitismus - was ist das?”
Gespräch, Lesung, Diskussion (Jiddisch und Deutsch) mit Avner Gruber und Meier Strojakowski

Avner Gruber und Meier Strojakowski, zwei Überlebende des Holocaust und somit Zeitzeugen, werden - auf Jiddisch - über eigene Erfahrungen mit Antisemitismus berichten: Avner hat das Getto in Mohilev-Podolsk, das gleichzeitig ein KZ war, überlebt; Meier ist ein einziger Überlebender seiner Familie, die in einem Pogrom in polnischem Städtchen Jedwabne ermordet wur- de. Ihre Berichte werden mit Fragmenten aus zwei Büchern: Die Nachbarn von Jan Tomasz Gross und Kind im Niemandsland, aufgeschrieben von Ursula Bauer, unterstützt (beide auf Deutsch). Wir werden auch eine Diskussion einleiten, die sowohl die heutigen Erfahrungen mit Antisemitismus als auch dessen vielfältige (latente und offene) Erscheinungen umfassen sollte. Eine kleine Ausstellung der Literatur zu diesem Thema ist auch vorgesehen.

Sonntag, 25.10.2009,14.00 Uhr:
Jiddische Schriftsteller in der Weimarer Republik - Vortrag (auf Jiddisch) von Prof. Marc Caplan

Prof. Marc Caplan, der zur Zeit als Gastprofessor an der Uni Konstanz jiddische Literatur lehrt und Lehrvorträge auch in München und Berlin hält, wird uns in die literarische Welt der Weimarer Republik einführen und anhand literarischer Texte die Parallelen und Einflüsse zwischen jiddischen und deutschen Schriftstellern dieser Zeit präsentieren.

Sonntag, 1. Februar 2009, 16 Uhr
Gilles Rozier: Jiddische Avantgarde (Khaliastre) Schriftsteller

Gilles Rozier iz geboyrn in 1963 in Grenoble (Frankraykh). Er hot frier shtudirt in a hoykher shul far geshefts-administratsye un shpeter gelernt zikh yidish un yidishe literatur in Yerusholayim un Pariz bay Avrom Nowersztern, Yitskhok Niborski un Rokhl Ertel. In 1997 hot er farteydikt a doktorat ibern lebn un verk fun Lodzer yidishn shrayber Moyshe Broderzon. Zayn teze iz aroys untern titel : Moyshe Broderzon : un écrivain yiddish d'avant-garde (Presses universitaires de Vincennes, 1999). Fun 1994 on iz er der direktor fun Parizer Medem-Bibliotek. Er iz oykh der mekhaber fun 6 romanen, vos tsvey fun zey zenen ibergeztst gevorn oyf daytsh : Eine Liebe ohne Widerstand (DuMont, 2004), Abrahams Sohn (DuMont, 2006). Er shraybt oykh lider oyf yidish. In marts 2008 hot er geshafn dem yidishn zhurnal Gilgulim (naye shafungen), vos vet dershaynen eyn mol a yor.

Teme fun referat: In Varshe in 1921 hobn zikh getrofn dray yunge modernistishe shrayber : Melekh Ravitsh, Perets Markish un Uri-Tsvi Grinberg. Ravitsh iz geboyrn in mizrekh-Galitsye in a meshpokhe in velkher me hot geredt poylish un daytsh ; Uri-Tsvi Grinberg, der yoyresh fun a mishpokhe fun khsidishe rabonim, iz oykh geboyrn in mizrekh-Galitsye, un Peretz Markish in Volin bay a basheydenem melamed. Di dray hobn gedint in armey beshas der ershter velt-milkhome. In meshekh fun tsvey yorn zenen zey geven in Varshe di same modernistishste yidishe shrayber, onfirers fun der" Khaliastre"-grupe. In 1923 iz Uri-Tsvi avek fun Varshe durkh Berlin kayn Ertez-Yisroel un er iz shpeter gevorn a groyser hebreisher poet. Peretz hot zikh bazetst in Sovetn-Farband in 1926 un iz gevorn eyner fun di ongezeenste yidishe sovetishe shrayber. In 1948 hot men im arestirt un geshosn in 1952, tsuzamen mit der smetene fun yidisher kultur in Sovetn-Farband. Melekh iz geblibn in Varshe biz di mitele draysiker yorn. Shpeter hot er gerayzt iber der gantser erd, hot zikh tsaytvaylik bazetst in Melburn in 1938. Fun 1941 on hot er gevoynt in Montreol. Dray khaveyrim mit dray farsheydene untergruntn, un dray farsheydene goyroles. Dray groyse shrayber.

Samstag, 15.11.08, 15.00 - 19:00 Uhr:
Vorträge, szenische Lesung und Diskussion über die Czernowitzer Sprachkonferenz

Sonntag, 18.05.08, 16.00 Uhr:
Monika Polit - Briefe an Mordechai Chaim Rumkowski im Getto Lodz – Vortrag (jiddisch)

Im Staatsarchiv in Lodz befindet sich in der Abteilung "Vorsitzender des Judenrats in Lodz",  ein Aktendeckel mit der Nummer L18908, betitelt "Die Briefe an Mordechai Chaim Rumkowski". Er beinhaltet eine sehr interessante Sammlung von über 600 Briefen, die auf polnisch, jiddisch, hebräisch und deutsch von den Bewohnern des Lodzer Getto verfasst wurden und - mehr oder weniger - eine Art Glorifizierung und Lobgesang zu Ehren von M. Ch. Rumkowski darstellen und hauptsächlich zu religiösen jüdischen Feiertagen aber auch zu seinen Geburtstagen an ihn geschickt wurden. Viele von ihnen entstanden als Bittsteller-Briefe, viele haben eine poetische (oder auch pseudopoetische) Form. Diese besondere Briefkollektion erlaubt es sowohl die Person des Vorsitzenden des Judenrats wie auch  ihm untergeordnete, jüdische Gettobewohner in ein neues Licht zu rücken und darin zu sehen, was oft überrascht und manchmal auch empört. Es stellt sich aber auch die schwierige Frage, wie weit  ein geknechteter, versklavter Mensch gehen darf und kann, der nur eins zur Disposition hat - die Schmeichelei. Die Philologin, Übersetzerin und Jiddisch-Lehrerin Monika Polit  lebt in Warschau, Polen. Intensive Forschungsarbeit am Jüdischen Historischen Institut (ZIH) und aktive Mitgliedschaft in Polnischen Zentrum für Holocaust-Forschung (beide in Warschau). In Vorbereitung ist ihre Doktorarbeit, die sich mit den literarischen und paraliterarischen Texten, die Mordechai Ch. Rumkowski vom Lodzer Getto gewidmet sind, befasst. Geplant ist eine Edition von Dokumenten in Jiddisch, aus dem ZIH-Archiv.

18. Februar 2008:
Prof. Dr. Isidor Levin

„Was lässt sich mit einem Wortschatz des Jiddischen machen?”

21. April 2005:
Natalia Krynicka (Paris)
„Über die Dichterin M. Ulinower”
Vortrag

7. April 2005:
Jürgen Rennert (Berlin)

„Nie ist der Letzte der Letzte …”
Vortrag und Lesung

17. März 2005:
Peysakh Fiszmann (New York)

Ein Jiddisch-Abend

5. November 2003:
Mascha Rolnikaite (St.Petersburg)

"ikh muz dertseyln"
Lesung aus ihrem Tagebuch, entstanden im Wilnaer Ghetto

27. April 2003:
Ytzhak Luden (Givatayim/Israel)

Die Situation des Jiddischen in Israel

14. September 2002:
Gedenkveranstaltung zum 50.Jahrestag der Ermordung jiddischer Schriftsteller in der Sowjetunion

- Dr. Wilfried Kühn:
Die tragische Geschichte des Jüdischen Antifaschistischen Kommitees
- Dr. Gennady Estraikh (Oxford):
"dos trauma fun 12tn oygust 1952 in yidishn literarishn und politishn leben"
- Avishai Fisz (Hamburg):
Jiddisch-sowjetische Volkslieder und Gedichte (Gesang und Akkordeon)

Josef Burg (Czernowitz/Ukraine)
Lesung aus eigenen Werken

Yechiel Shraibman (Kishinjow/Moldawien)
Lesung und Vortrag über die jiddische Literatur in Moldawien

Lev Berinski (Akko/Israel)
Lesung aus seinem Poem LUFTBLUMEN
Ausstellung der Illustrationen von Irene Frenkel zu diesem Gedichtzyklus

Avner Gruber (Hamburg)
"mayn kindheyt in geto 1940-1944"

Dr. Gennady Estraikh (Oxford)
Jiddische Literatur in der Sowjetunion von 1917 bis 1991

Yitzhak Luden (Givatayim/Israel)
"zol lebn der bund"
(‚bund': algemeyner yidisher arbeter-bund, gegr. in Wilna 1897)

Dr. Michail Krutikow (Oxford)
Die Herausforderung der Moderne und die jiddische Literatur zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Prof. Dr. Isidor Levin (St.Petersburg)
Jiddische Volkskultur im Baltikum zwischen den beiden Weltkriegen

Lui Beilin (Kopenhagen)
Juden und Jiddisch in Dänemark

Boris Dorfmann (Lemberg/Ukraine)
Alexander Lisen - Freund und Weggefährte Vortrag anläßlich der Buchpräsentation: Alexander Lisen "Die singende Sonne" - Erzählungen und Kurzprosa - Herausgeber: D.Greve u. W.Kühn Edition Dodo Berlin, 2002

Fania Brancovskaja (Vilnius)
"lebn un iberlebn in Vilne"