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Unsere Reise nach Riga (gekürzte Fassung nach dem Originalbericht von Renate Gültzow)

Vom 10. – 14. Oktober 2016 waren Mitglieder und Freunde der Salomo-Birnbaum-Gesellschaft unterwegs in Riga auf den Spuren jüdischen Lebens und jüdischer Vergangenheit in Lettland. Als erfahrene Reiseleiterin begleitete uns in Riga die sympathische Lettin Marija Skurule, die auf unsere Fragen stets eine Antwort bereithielt.

Bei strahlendem Sonnenschein, aber bereits winterlichen Temperaturen, erkundeten wir die Stadt, die sich majestätisch an beiden Ufern der Daugava erstreckt. Hanseatisches Flair in Form von Kirchen sowie Gilde-, Speicher- und Bürgerhäuser im Stil der Backsteingotik beherrschen die Altstadt, die einst von einer Stadtmauer und einem Wall umgeben war.

Am Rathausplatz erstrahlt das Schwarzhäupterhaus heute wieder in neuem Glanz und das Okkupationsmuseum erinnert an die Zeit der sowjetischen Besatzung im 20. Jahrhundert. Der mächtige Dom war einst Ausgangspunkt für die Christianisierung des Baltikums. Nur wenige Schritte von unserem Hotel entfernt lag die 1905 erbaute Peitav Shul. Sie ist eine Perle des Jugendstils und die einzige Synagoge, die der Zerstörung im 2. Weltkrieg entging.

Im Gegensatz zur gemütlichen Altstadt mit Kopfsteinpflaster und verwinkelten Gassen, werden die breiten, schnurgeraden Straßen der Neustadt von einer geschäftigen Atmosphäre geprägt. In der Neustadt reiht sich ein sehenswertes Jugendstilgebäude an das andere. In der Elizabetes iela findet man zahlreiche Gebäude des Architekten Michail Eisenstein.

In der Alberta iela befindet sich auch das Rigaer Jugendstilmuseum, im ehemaligen Wohnhaus des bekannten Architekten Konstantīns Pēkšēns. Der Besuch ist wie eine Zeitreise: man kann durch die verschiedenen Zimmer laufen, die mit authentischen Möbeln eingerichtet sind. Als Besucher kann man selber in eine Rolle schlüpfen, Hüte der Epoche anprobieren und sich fotografieren lassen.

Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch im Haus der Jüdischen Gemeinde. Die Ausstellung „Juden in Lettland“ informiert über das lebhafte jüdische Leben in Lettland seit dem 18. Jahrhundert und die leidvolle Geschichte während der deutschen Okkupation zwischen 1941 und 1944. Seit der Unabhängigkeit Lettlands 1990 gibt es ein neu erwachendes jüdisches Leben, und auch diesem Teil widmet sich das Museum. Der junge Direktor Ilja Lenski führte uns durch das Haus und ermöglichte uns einen faszinierenden Einblick in historische Dokumente.

Zwei wichtige Orte der jüdischen Vergangenheit in Lettland besuchten wir mit dem Bus:

Die Gedenkstätte Rumbula, die mit ihren eindrucksvollen Skulpturen an die fast 27 000 lettischen und europäischen Juden erinnert, die 1941 von den Nazis aus dem Rigaer Ghetto hierher gebracht und erschossen wurden.

Am östlichen Stadtrand befindet sich darüber hinaus die Holocaust-Gedenkstätte von Bikernieki. Hier wurden von 1941 bis 1944 mehr als 25 000 Juden aus dem deutschen Reich erschossen und in Massengräbern verscharrt. Im Zentrum steht ein schwarzer Granitblock mit einem Vers aus dem Alten Testament, er ist umgeben von Granitsteinen, die an menschliche Figuren erinnern.

Auch das Rigaer Ghetto-Museum erinnert mit seiner Ausstellung an die Verbrechen der Nazis und gibt ein Zeugnis für die Notlage der lettischen und europäischen Juden während des Holocaust.

Ein absolutes „Muss“ bei einem Besuch in Riga ist ein Abstecher zum Zentralmarkt, auch „Bauch von Riga“ genannt. In einem ehemaligen Zeppelinhangar befinden sich heute fünf Markthallen, in denen man fast alles kaufen kann, was man für das tägliche Leben benötigt. Besonders überwältigend ist das Angebot in der Fischhalle: Lachs, Forelle, Hering, Kaviar, geräucherte Fische und Neunaugen, eine lettische Spezialität.

Lettische Spezialitäten konnten wir auch bei den abendlichen Besuchen in verschiedenen Restaurants kosten, die neben einer modernen leichten Küche oft noch eine deftige, bäuerliche Kost anbieten.

Und schon war unser letzter Tag in Riga angebrochen! Von der Altstadt gelangt man direkt mit dem Bus auf die linke Seite der Daugava. Hier in Pardaugava beginnt eine andere Welt. Jahrhundertelang wohnte hier die einfachere Bevölkerung in ländlichen Holzhäusern. Heute befinden sich in Pardaugava einige der schönsten Holzhäuser Rigas, deren Fassaden vor allem durch klassizistische Stilelemente beeindrucken.

Uz redzēšanos! – Auf Wiedersehen! – vielleicht im nächsten Jahr in Prag?

Teilnehmer Rigareise